I.f.s.G. e.V.

INITIATIVE   FÜR   SOZIALE   GERECHTIGKEIT   e.V.

Verein: Home eMail Wer wir sind / Unsere Arbeit Frühere Veranstaltungen Satzung Beitragsordnung Mitgliedsantrag Links Downloads Impressum

Sozialhilfe, Hartz IV
Ungesunde Ernährung trotz Tafel
was ist gesunde Ernährung?

Von Wolfgang Gerecht

Über 30 Besucher am Di., den 14.07.2009 bei der Initiative für soziale Gerechtigkeit in Wiesbaden - Umfassendes Referat über eine gesunde Ernährung mit Reflexionen über die derzeitige Ernährung unter Hartz IV - Bedingungen.

Referentin Christel Chliha und Vorstandsvorsitzender Rainer W. MonzheimerDie Referentin erläuterte umfassend die Grundlagen einer gesunden Ernährung und die Gefahren bzw. Bedrohungen der industriell - auf Basis derkapitalistischen Verwertung - erzeugten Produkte.

Sie erinnerte an die zahlreichen Lebensmittel-"Skandale" vom so genannten "Gammelfleisch" bis zum "Imitat"-Käse bzw. dem "Imitat"-Schinken bis zur Tierhaltung, der Hühner, Schweine, Rinder und deren Ernährung. Die Täuschung der Tiere mit so genannten Geschmacksverstärkern erfolgt später auch bei der Fleischverarbeitung mit zahllosen chemischen Zusätzen für den Menschen. Auch die Haltung und der geringe Lebensraum der Tiere, die Fütterungsmethoden zurschnellen Aufzucht kam zur Sprache, die Vermeidung von unwürdigen Transporten über extrem große Entfernungen.

Gesunde Ernährung müsste idealer Weise den gesamten Kreislauf der Natur von den Böden der Pflanzen bis zu deren Ernte, deren Lagerung und anschließenden Verfütterung bei den Tieren reichen. Die verbrauchernahe Erzeugung, gesunde Aufzucht die ortsnahen Schlachtung, alles in allem: Die Nachvollziehbarkeit der gesunden Erzeugung vom "Anfang bis zum Ende" wäre eine Forderung für die gesunde Ernährung. Das Beispiel der Fleischproduktion gilt natürlich sinngemäß für alle anderen zum menschlichen Verzehr benötigten Produkte.

In der anschließenden lebhaften Diskussion kam es zu einer Auseinandersetzung zum für und wider der so genannten Tafelspeisung.

Referentin Christel Chliha und Vorstandsvorsitzender Rainer W. MonzheimerDie Versammlungsteilnehmer berichteten:
Von Ihrer Scham zum ersten Mal bei der Tafel eine Lebensmittel-Ergänzung abholen zu müssen. Der so genannte Eck-Regelsatz von 359 Euro ist unzureichend. Die so genannten Spender der Tafeln entledigen sich der Entsorgungspflicht und der damit verbundenen Kosten. Ein Teil der "gespendeten" Waren, insbesondere bei Obst und Gemüse, muss weggeworfen werden. Im Einzelfall wurden auch verdorbene Waren an die Hilfebedürftigen ausgehändigt. Für die Mehrheit ist die Tafel dennoch eine konkrete Hilfe, bei einem Betrag von 4,30 Euro pro Tag für Ernährung, kein Wunder. Es gab natürlich auch die Verteidigung der Tafelspeisung und angesprochener Missstände.

Eine Teilnehmerin forderte dazu auf, unterschiedliche Auffassungen solidarisch und "produktiv" im Sinne der Interessen aller Hartz IV - Betroffenen zu diskutieren und nicht gegeneinander bzw. destruktiv zu agieren. Diese Position wurde von der überwiegenden Mehrheit eindeutig begrüßt.

Ein Teilnehmer vom Hartz IV - Café Hattersheim / Main-Taunus-Kreis gab die dort gesammelte Erfahrung mit Tafeln wieder.

Vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums werden noch Rabatt-Aktionen gefahren um die Bestände zu räumen. Kostenlose Entsorgung für die letzten Reste nicht mehr verwertbarer Waren durch die so genannten Spender. Für den Betrieb der Armenspeisung fallen erhebliche direkte Kosten an. Kraftfahrzeugkosten für die Abhol-Fahrzeuge. Mieten und Nebenkosten für die Tafel-Räume, Investitionen in Kühlgeräte mit deren Stromversorgung und natürlich die unbezahlte Arbeitskraft der vielen ehrenamtlichen Helfer.

Für die Hartz-IV-ler aus dem Main-Taunus-Kreis sind die Tafeln und Sozialkaufhäuser ein Armutsgewöhnungs- und Armutsakzeptanz-Programm. Wäre die Politik bereit, einen angemessenen Regelsatz von 500 Euro zu gewähren, könnten die Betroffenen selbständig ihre Versorgung bei Wahrung ihrer Menschenwürde durchführen. Diese Position fand uneingeschränkte Zustimmung im Publikum.

Eine weitere Ermutigung konnte der Vorstand der Initiative für soziale Gerechtigkeit melden. In Bad Schwalbach, der Kreisstadt des Rheingau-Taunus-Kreises haben sich mehrere Hartz-IV-Betroffene der Wiesbadener Initiative für soziale Gerechtigkeit angeschlossen. Die Initiative ist bereits aktiv und plant kontinuierlich ihre weitere
Entwicklung.

Autor: Wolfgang Gerecht, Hartz-IV-Café Hattersheim / Main-Taunus-Kreis
20.07.2009

Der nächste Termin der Initiative für soziale Gerechtigkeit ist am
28.07.2009, 16.OO -19.00 Uhr
in der Gaststätte Eintrachthaus in der Hellmundstr. 25, Wiesbaden, Haltestelle "Platz der Deutschen Einheit, Schwalbacher Str. Beratung und Hilfestellungen bei Rechtwidrigkeiten, Schikanen und Sanktionen.